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Materialien

  • Reet

Die ersten Dächer in Mittel-bzw. Nordeuropa waren Reetdächer (Weichdach). In der Jungsteinzeit (ca. 4000-1800 v. Chr.), als die Menschen seßhaft wurden, Werkzeuge u.a. zur Holzbearbeitung entwickelten und Tierzucht betrieben, entstanden die ersten Häuser (Einraumhaus), die anstatt mit Laub und Fellen, mit Holz und Reet gedeckt wurden.

Bis ins 18.Jht. war das Reetdach die bevorzugte Eindeckungsform in Mitteleuropa.

  • Tonziegel

Etwa zur gleichen Zeit (ca. 3000 v. Chr.) in Babylonien, waren die Sumerer bereits soweit, Tonziegel zu brennen. Ca. 1000 Jahre später hielten diese erst in Griechenland und Ägypten Einzug.

Gegen Christi Geburt übernahmen die Römer die Ziegeleindeckung (tegula,-der Ziegel), erst luftgetrocknet und nur auf Häusern betuchter Einwohner. Rom war die erste Stadt, deren Ziegeldachlandschaft in die Geschichte einging. Die Kuppel des Zeus - Asklepios Tempels (ca. 2. Jht n.Chr.), mit einem Durchmesser von fast 24 Metern, gilt als die erste Großkuppel aus Ziegel.

Durch die Verbreitung der römischen Kultur wurden auch die Ziegeldächer in die Welt getragen.

Erst Im 14ten und 15. Jht. n. Chr., im Zeitalter der Rennaissance, wurden Ziegel in Städten großflächig verwendet. Als Teil des Brandschutzes vereinbarte Kaiser Ludwig, Stadtherr von München mit dem Stadtrat alle Neubauten mit Ziegel einzudecken.

Die industrielle Fertigung der Dachziegel ist Wilhelm Ludovici zuzuschreiben. Dieser meldete 1881 sein Patent auf den Falzziegel Z1 an und begann mit dessen Produktion.

  • Dachschiefer

Erstmals verwendeten die Römer Dachschiefer im geschlossenen Verband mit festen Verlegeregeln. Die Hochzeit der Schieferdeckungen war das Mittelalter - erst im Zuge der Industrialisierung eroberten neue Eindeckmaterialien den Markt.

Im Zuge der 'ökologisch-bauen' Bewegung erlebt der Schiefer seit den 70er Jahren eine Art Rennaissance durch günstige und vielfältige Deckarten.

  • Holzschindel

Die älteste, gefundene Eichenschindel stammt aus dem Jahre 950 v.Chr., gefunden in Baden-Wüttemberg. Bis ins frühe Mittelalter war die Holzschindel die meist verbreitetste Bedachungsform in beinahe ganz Europa. Durch das erhöhte Brandrisiko und die wenig vorhandenen Löschmöglichkeiten wurden Holzschindeldächer teilweise bald verboten.

Die Urform der Schindel nennt man 'Legschindel' - diese wurde mit Steinen beschwert. Heutzutage werden Schindeln genagelt. Man unterteilt sie grundsätzlich in Säge/Brettschindel und die Spaltschindel. Erstere sind kostengünstig herzustellen - bedürfen allerdings eines großen Pflegeaufwandes und sind vergleichsweise relativ kurz haltbar.

Die Spaltschindel (vom 'Schindler' hergestellt) zeichnet sich dadurch aus, das der natürliche Faserverlauf des Holzes nicht zerstört wird. Je nach verwendeter Holzart, halten Holzschindeldächer heutzutage zwischen 15 und 25 Jahren (Fichte oder Lärche), diese Haltbarkeit kann nur durch moderne Imprägnierungen verlängert werden. Oder man weicht auf härteres Holz aus (z.B. Alaska-Zeder, die branschutztechnisch mit einem Ziegel gleichzusetzen ist).

  • Dachsteine (Beton)

 Betondachsteine sind in der Formgebung den Tonziegeln nachempfunden und werden für die Deckung von Steildächern verwendet. Als Erfinder gilt Adolph Kroher (Ende des 19.Jhts), der begann Zement-Dachplatten aus mineralischem Zement, in Handarbeit herzustellen. Seit Mitte der 30er Jahre werden Betondachsteine industriell gefertigt und stellen bis heute ein beliebtes Eindeckmaterial dar.

  • Strohdach

Zählt man ebenso wie das Reetdach zu den Weichdächern. Strohdächer lösen das Reetdach erst in den 50er Jahren des 19.Jhts ab.

  • Blechdächer

Blechdächer haben eine lange Tradition. In China wurden schon 2000 Jahre alte Kupferdachreste gefunden. Der Parthenon in Rom (ca. 100-150 n.Chr. erbaut) war schon mit Bronzeblech gedeckt,  1640 wurden diese durch Bleiplatten ersetzt.

Gestrichenes Stahlblech und Zinklegierungen als Dachdeckungen kommen Anfang des 19. Jhs. im Zeitalter des Historismus in Mode, vor allem als 1812 in einem Werk bei Lüttich die Herstellung von Zink-Walzblech aufkam. Eine gußeiserne Schuppendachdeckung wurde 1818 auf dem Palais Beaurbon in Paris verwendet.

Wohl eine der ältesten, bis heute funktionierenden Edelstahlblechdeckungen befindet sich auf dem Dach des Chrysler Building in New York aus dem Jahr 1929.